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Samstag, 10. April 2010

Karibisches Flair

Unser "Handgepäck" war also um einige wichtige zumeist elektronische Bestandteile erleichtert worden. Ausserdem hatte sich "Räuber Hotzenplotz" bei einem unserer Rucksäcke die Mühe gemacht nicht nur den Reissverschluss aufzureissen, sondern auch noch sein Messer zu Hilfe zu nehmen, was den Rucksack verständlicherweise zur Quittierung seines Dienstes bewog. Da "Puerto Limón" bis auf Weiteres die letzte etwas grössere Stadt sein sollte, machten wir uns also daran Ersatzbeschaffungen zu tätigen.

Für den Fall der Fälle hatte sich in einem unserer tragbaren Wäscheschränke eine kleine Ersatz-Digicam versteckt gehalten. Diese wurde nun also hervorgekramt und das ebenfalls mitgeschleppte Ladegerät in Betrieb genommen. Nach einigen Stunden Stromsaugen, war die erste Ersatzbeschaffung bereits erledigt. Und dies ohne Geld auszugeben, wohlgemerkt :-)...
Visa-Karte und Handy-SIM-Karte waren bereits am Abend kurz nach der Untat telefonisch gesperrt worden, somit hatten wir uns noch mit Rucksack und Laptop zu befassen. Adäquaten Ersatz für einen emotionsgetränkten, mittlerweile weitgereisten Souvenir-Rucksack aus Kanada zu finden wäre definitiv ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, daher musste ein nach Weichmachern stinkender Billigstrucksack "Made in China" diese Aufgabe übernehmen. Damit wäre vielleicht auch der wertvolle Inhalt etwas getarnt...
Was den Ersatz der Internet-Maschine anbelangt, mussten wir unsere Gehirnwindungen mit einigem Hin- und Herüberlegen strapazieren. Auf der einen Seite waren wir's Leid halb Lateinamerika unfreiwillig mit Computern auszurüsten und wollten auf den Kauf eines weiteren Geräts, das uns womöglich unterwegs erneut stibitzt würde, verzichten. Auf der anderen Seite überwogen die erlebten Vorteile eines eigenen Computers, denn wie einfach war es doch unsere Fotos im Hotelzimmer auf dem Bett sitzend ins Internet hochzuladen und Blogeinträge nicht auf Besuche in "Locutorios" bzw. Internetcafes beschränkt zu verfassen... Ausserdem hatten wir mittlerweile schon damit begonnen unsere Bewerbungsunterlagen (irgendwann muss ja nach der Reise der Arbeitsalltag auch wieder beginnen :-() an verschiedene Firmen zu verschicken und waren daher beinahe darauf angewiesen fast jederzeit auf unsere Emailkonten zugreifen zu können (den Laptop können wir dann also als "Gewinnungskosten" von der Steuer absetzen, oder? ;-)).
Die Shopping-Meile von "Zitronenhafen" war glücklicherweise mit mehreren Elektronikläden gesegnet, die unser gewünschtes Computermodell im Angebot führten. Der Schweizer Preisüberwacher hätte vor Wut allerdings getobt, denn auch wenn mehrere Discounter die gewünschte Ware feilboten, so hatten sie sich doch anscheinend stillschweigend auf denselben Preis geeinigt. Da war auch nach hartnäckigem Nachfragen weder ein "Descuento" noch sonst irgendein Goodie herauszuholen. Da hiess es also auf die Zähne beissen, auch zu einem etwas zu hohen Preis zugreifen und sich auf den zeitaufwändigen Bezahlvorgang, wie wir ihn von unserer letzten Computerbeschaffung in "Guayaquil" her noch kannten, einstellen. Bevor wir allerdings zum Kreditkarten-Zücken kamen, wurde uns noch der Inhalt der Computerverpackung vorgeführt (irgendwie bekam man da den Eindruck, dass da früher irgendwelche krummen Dinger gedreht worden waren...). Alles da, nichts defekt, also ab zur Kasse im ersten Stock, währendem der Karton mit unserer Errungenschaft beim Ausgang auf uns warten sollte.
Das costaricanische Vertrauen in Kreditkarten scheint etwas besser entwickelt zu sein als in Ecuador, es dauerte auf jeden Fall nicht die befürchteten 30 Minuten, bis wir das OK für den abgeschlossenen Zahlungsvorgang erhielten und uns auf den Weg zum Ausgang machten. Durch die vorherige "wir-zeigen-euch-den-korrekten-Inhalt-der-Kiste"-Vorzeigerei etwas verunsichert, bestanden wir auf eine erneute Kontrolle des Packetinhalts, es wäre schliesslich genügend Zeit gewesen uns während der Bezahlung einen Bären aufzubinden und irgendwas auszutauschen. Einige Leser werden uns jetzt Paranoia attestieren und haben damit vermutlich recht, aber aus Erfahrung wird man bekanntlich schlauer und daher kontrolliert man besser einmal zu viel als dann mit irgendwelchem Schrott leben zu müssen...
Beim Verlassen des Geschäfts fallen Paranoia-Gefährdeten zudem allerlei komische, am Ausgang herumlungernde Gestalten als mögliche Entreissdiebe auf. Daher dreht man sich automatisch das eine oder andere Mal um, um Verfolger ausschliessen oder zumindest identifizieren zu können...

Obwohl wir ja mittlerweile auf Kosten des Hauses im "Hotel Miami" residieren konnten, waren zwei Nächte in "Puerto Limón" dann doch genug und wir machten uns auf den Weg nach "Cahuita" etwas weiter südlich. Die Busstation hatte sich gut ins Stadtbild eingefügt, daher mussten wir erst einen Einheimischen bemühen uns den Weg zu zeigen, um dann festzustellen, dass wir ja quasi schon davor standen :-)...
Der Bus hatte natürlich gerade das Weite gesucht, als wir noch am Ticketschalter gestanden hatten, darum blieb uns nichts anderes übrig als uns mitsamt Gepäck in eine der engen Sitzreihen des "Wartesaals" zu quetschen. Wir hatten ausserdem noch nicht gefrühstückt und durften so unseren Hunger nach Art "Sardinenbüchse", eingequetscht zwischen unseren Rucksäcken, stillen. Als europäische Gringos, mit riesigen Rucksäcken im Schlepptau, zieht man bekanntermassen einige Blicke auf sich. Da kommt es immer sehr gelegen, wenn sich weitere "Hellhäuter" zur Schar Wartender hinzugesellen und ihrerseits einige Blicke absorbieren...
Irgendwann tauchte dann der Bus auf und eine lange Schlange bildete sich vor der noch verschlossenen Bustür. Wir hatten uns nichts weiter gedacht, denn auf den Tickets waren Sitzplatznummern versehen. Es sollte sich etwas später zeigen, dass diese allerdings keine Bedeutung zu haben schienen... Wir waren durch eine nette Lady dazu aufgefordert worden unser Gepäck im Gepäckfach des Busses zu verstauen, hatten dies auch getan und dann mit etwas Sorge festgestellt, dass erstens das Gepäckfach nicht abgeschlossen werden konnte und zweitens, dass die Lady gar nicht zur Busgesellschaft gehörte... "Alarmstufe Rot", hatten wir schon wieder leichtfertig unser Gepäck auf's Spiel gesetzt?!
Es sollte sich herausstellen, dass alles in bester Ordnung war und wir unsere Rucksäcke komplett und in einem Stück am Zielort wiederbekommen würden. Aufgrund der allseits ignorierten Sitzplatznummern auf den Tickets war beim Besteigen des Busses auffüllen der noch verbleibenden Sitzplätze angesagt. Wir konnten uns dahingehend noch glücklich schätzen, da wir die beiden letzten Sitzplätze noch für uns beanspruchen konnten. Später zugestiegene Fahrgäste durften sich während der Fahrt von den ebenfalls zahlreich vorhandenen Snackverkäufern hin und her schubsen lassen. Die Snackverkäufer konnten mit einer speziellen Delikatesse aufwarten. Für eine Handvoll Colones gab's gekochte Schlidkröteneier als Zwischenmahlzeit, urks... Die Plastikkübel, in denen die Jungs die Eier transportierten, enthielten neben den "Beinahe"-Schlidkröten eine eklige dunkelgrüne Flüssigkeit, die nicht unbedingt sehr appetitanregend wirkte. Mal ganz abgesehen davon, dass das Einsammeln von Schildkröteneiern eigentlich verboten ist. All das liess uns dankend verzichten...

Nach gut zwei Stunden war die Strecke zwischen "Puerto Limón" und "Cahuita" abgespult und wir standen am Busterminal ebendieses "Cahuita" (dieses Mal eindeutig als Busterminal zu erkennen :-)). Eine Unterkunft war schnell gefunden, wir waren der "Hauptstrasse" folgend quasi ins "Hotel las tres Flores" reingestolpert. Von Italienern geführt und unter anderem von einem im Rollstuhl sitzenden Schweizer bewohnt, fühlten wir uns gleich wie zu Hause.

"Cahuita" wurde von LP wie folgt beschrieben: "a cool little Afro-Caribbean beach settlement" (Google Übersetzer macht daraus: "eine kühle kleine afro-karibischen Strand Siedlung") und das traf den Nagel ins Schwarze (oder so ähnlich ;-)). Neben den Einheimischen hatten sich verschiedenste Gringos unter die Einwohner gemischt. In der "In-Bar" des Dorfes "Coco's Bar" wurde zwar Reggae (zum Teil auch live) gespielt, aber mit vielen der Anwesenden konnte man sich auch im breitesten Berndeutsch verständigen. "Rico" der "berollstuhlte" Aargauer aus unserem Hotel zum Beispiel, hatte sich bereits seit mehreren Jahren während der schweizer Wintermonate (6 Monate pro Jahr :-)) nach "Cahuita" abgesetzt und hier sogar ein Haus gekauft (welches er nicht selber bewohnen konnte, weil er die Mieter nicht mehr los wurde...). "Martin" aus dem Emmental war gerade damit beschäftigt ein Baumhaus für einen Kollegen zu zimmern (obwohl man anhand seines Zustandes eher davon ausgehen musste, dass er sich mehr mit Biertrinken beschäftigt hatte anstatt Nägel ins Holz zu hämmern :-)). Einen kleinen Vorgeschmack auf die Heimat konnten wir auch bei "Bratwurst und Kartoffeln" in "Rico's" Lieblingsrestaurant, natürlich mit Schweizer Besitzer und Koch in Personalunion, erhaschen.

Der ans Dörflein angrenzende "Parque Nacional Cahuita" beschäftigte uns mit seinen malerischen Stränden und seinem tropischen Regenwald problemlos für einen ganzen Tag. Nachdem wir Kapuzineraffen bei einer der beiden Flussdurchquerungen beinahe hatten unsere Tasche klauen lassen, von einem davonhuschenden Waschbären nur noch den zebramässig geringelten Schwanz gesehen und einem faulen Ameisenbär bei seinem Mittagsschlaf zugesehen hatten, wollte sich auch Petrus wiedermal bei uns bemerkbar machen und öffnete seine Schleusen. Glücklicherweise waren wir zu diesem Zeitpunkt bereits am Ende unserer Entdeckungsreise angelangt und konnten uns vor der Rückfahrt mit dem Bus ein "kühles Blondes" in einer nahe gelegenen Bar (mit ausgestellter Tarantel) genehmigen. Obwohl der "Parque Nacional Cahuita" laut LP einer der meistbesuchten Parks in Costa Rica sei, waren wir die meiste Zeit alleine unterwegs gewesen. Die paar angetroffenen Mittouristen hatten das Urwald-Feeling glücklicherweise keineswegs beschädigt.

Nachdem wir uns die "Playa Negra", also den schwarzen Strand, angesehen und uns im "Kino" von "Cahuita", einem Restaurant mit Grossleinwand wo illegal vom Internet heruntergeladene Hollywood-Blockbuster gezeigt wurden, auch "avatarmässig" auf den neusten Stand gebracht hatten, wurde es langsam Zeit einen weiteren Schritt Richtung Panama unternehmen und "Puerto Viejo de Talamanca" anzusteuern...

Der Schritt bestand aus einer kurzen, einstündigen Busfahrt (dieses Mal wanderte das Gepäck mit uns in den Bus) und liess uns für einige Nächte im Hostel "Pura Vida" Unterschlupf finden. Nachdem "Cahuita" quasi die Schweizer Hochburg gewesen war, hatten in "Puerto Viejo" die Germanen die gringotechnische Überhand. Neben unserem Hostel wurde in allerhand anderen Unterkünften und Restaurants Deutsch gesprochen (durchaus zwischendurch eine nette Abwechslung zum Spanischen :-)).
"Puerto Viejo" dürfte sich angesichts der von jedem benutzten Fahrräder durchaus als "Veloville" bezeichnen (ganz im Gegensatz zu "Münsingen" im Berner Aaretal, das zwar mit diesem Slogen wirbt, aber eher für seine Staus bekannt ist ;-)). Wir mussten uns also quasi auch eines dieser Gefährte vom Typ "Beach Cruiser" ausleihen und machten uns entlang der Küstenstrasse auf nach "Manzanillo". Die eineinhalb Stunden Strampeln entlang der malerischen karibischen Strände machten sich trotz fettem Komfortsattel als Popo-Schmerz bemerkbar. Aber da half auch Jammern nichts, denn der Weg zurück musste wohl oder übel auch noch unter die Pobacken bzw. Räder genommen werden :-)...
Der am nächsten Tag, ebenfalls per Beach-Cruiser, unternommene Schnorchelausflug sollte sich hingegen als nicht allzu lohnenswert herausstellen. Zwar war der ausgesuchte Strand am "Punta Uva" wie seine Nachbarn malerisch, aber mit unserer vom Hostel ausgeliehenen, sich in einem Zustand von beinahe unbrauchbar befindenden Schnorchelausrüstung machte das Rumpaddeln in der trüben Brühe (wir neigen etwas zur Übertreibung :-)) wenig Spass (ach wir sind aber auch verwöhnt vom Schnorcheln auf den Galapagos Inseln, seufz :-)).

Panamá wartete auf uns und von "Puerto Viejo" sollte es eigentlich nicht allzu weit sein bis zu unserem nächsten Ziel, "Bocas del Toro" ganz im Nordwesten von Panamá. Wir hatten uns erst überlegt, die Strecke auf eigene Faust mit dem ÖV hinter uns zu bringen, wurden aber an der Rezeption unseres Hostels darauf hingewiesen, dass die Shuttles nach "Bocas" nur unwesentlich mehr kosten und um einiges angenehmer seien. Man müsse nicht einmal am Zoll aussteigen um sich die Stempel zu besorgen, das würde unser Fahrer erledigen, während wir im klimatisierten Bus, ganz König Kunde, gemütlich warten würden.
Dass man auch österreichischen Rezeptionistinnen nicht immer alles glauben darf, sollte sich noch herausstellen...

Dienstag, 6. April 2010

Ungebetene (zweibeinige) Gäste im Hotelzimmer

Mit unserem Trip an die Karibikküste war das so eine Sache. Wir hatten
die karibische "easy-going" Mentalität wohl schon angenommen, bevor wir
uns überhaupt auf den Weg gemacht hatten. Auf jeden Fall waren wir
bereits etwas spät dran und wussten eigentlich noch nichts über unser
geplantes Ziel "Puerto Limón". Im Bus unterwegs füllte LP unsere
Wissenslücken und klärte uns über die Situation in dieser nicht sehr
freundlichen Stadt auf.
Noch im Bus hatten wir also den Entschluss gefasst gleich nach
"Cahuita", etwas weiter südlich, weiterzufahren. Die Fahrt in den
"Zitronenhafen" wollte allerdings kein Ende nehmen und dauerte,
wahrscheinlich wiedermal aufgrund des aufgekommenen Regens, länger als
eigentlich angenommen. Es war also bereits nach 16:00 Uhr und wir hatten
keine Ahnung wie lange die Fahrt nach "Cahuita" dauern würde. Da uns
ausserdem der Regen in die Quere gekommen war, entschieden wir uns eine
Nacht in "Puerto Limón" zu verbringen und erst am nächsten Morgen
weiterzufahren.
Grosser Fehler, denn was sich in den nächsten paar Stunden abspielen
sollte, erinnerte uns entfernt an vor nicht allzu langer Zeit bereits
Erlebtes...

Wie üblich warteten bereits am Busterminal die "Touristen-Jäger" der
verschiedenen Hotels auf fette Beute. Wir hatten uns allerdings im LP
bereits das Hotel unserer Wahl ausgesucht und daher alle Angebote
ausgeschlagen. Am Ausgang des Terminals wurden wir von einem äusserst
hartnäckigen Typ über die Transportmöglichkeiten in der Stadt
aufgeklärt. Obwohl wir seine Dienste eigentlich nicht in Anspruch
genommen hatten, war er der Meinung uns ein Trinkgeld abknöpfen zu
wollen. Damit er sich wenigstens noch etwas anstrengen musste,
überzeugten wir ihn uns zum "Hotel Miami" zu führen, unserer
ausgesuchten Unterkunft für die Nacht.
Im Hotel angekommen war die Rezeptionistin bereits mit anderen
eincheckenden Gästen beschäftigt, wir mussten also warten. Irgendwann
waren wir die Reihe dann an uns und uns wurde verkündet, dass nur noch
ein Zimmer mit drei Betten frei sei, die Nummer 29. Wir füllten also die
nötigen Zettel für das Einchecken in dieses Zimmer aus, als plötzlich
das Telefon der Rezeption klingelte und die Rezeptionistin feststellte,
dass sie dieses Zimmer für den Anrufer reserviert hatte und jetzt für
diesen benötigte. Sie hätte aber jetzt (auf einmal?) doch noch ein
Doppelzimmer für uns, die Nummer 25. Ok, auch gut (oder auch nicht so
gut, wie sich später herausstellen sollte...).

LP hatte "Puerto Limón" puncto Sicherheit nicht gerade mit Lob
überhäuft, wir waren daher erleichtert festzustellen, dass das "Hotel
Miami" mit einem massiven, elektrisch verschlossenen Tor am Eingang und
diversen Überwachungskameras ausgestattet war. Die Chance, dass sich so
jemand ungebetenes im Hotel rumtreiben konnte schien relativ klein zu
sein...

Wir hatten gerade erst unser Zimmer bezogen, als das Telefon im Zimmer
plötzlich klingelte. Der Typ am anderen Ende wollte wissen, ob wir uns
eine Cola aufs Zimmer bestellt hatten, was natürlich nicht stimmte. Kurz
nachdem wir das Telefon wieder aufgelegt hatten, klingelte es erneut.
Wieder war derselbe Typ am Apparat und dieses Mal stellte er fest, dass
wir keine "Ticos", also Costaricaner, seinen. Komisch, sehr komisch...
Es gibt Situationen in denen man von einem Gefühl beschlichen wird, dass
da irgendwas nicht ganz mit rechten Dingen zu und her geht, man aber den
Grund für diese Zweifel nicht in Worte oder konkrete Massnahmen ummünzen
kann. Dies war genau so eine Situation. Irgendwas war nicht sauber, aber
es reichte nicht ganz aus um "Alarmstufe Rot" auszulösen.
Unsere Mägen hatten mehr Erfolg mit "Alarmstufe Rot", darum machten wir
uns auf etwas Essbares aufzutreiben. "Pizza Hut" hatte nach kurzem unser
Interesse geweckt. Pizza "american-style" war angesagt.
Fast-Food hat ja bekanntlich die Eigenschaft recht schnell bestellt,
geliefert und verzehrt zu sein, also waren wir bereits nach weniger als
einer Stunde wieder auf dem Weg zurück in unser Hotel. Mehr als den
direkten Weg zum Hotel wollten wir uns in dieser Stadt zu nächtlicher
Stunde nicht zumuten, also waren wir kurze Zeit später wieder zurück im
Hotel.

Interessanterweise hatte sich die Rezeptionistin unsere Zimmernummer
merken können und streckte uns bereits bei der Annäherung zur Rezeption
den Schlüssel zum Zimmer 25 entgegen (wieder etwas komisch...). Nachdem
wir die Tür zu unserem Zimmer geöffnet hatten war sofort klar, dass sich
jemand an unseren Sachen zu schaffen gemacht hatte, denn unsere beiden
kleinen Rucksäcke waren offen!!
Es sollte sich herausstellen, dass die ungebetenen Gäste in unserem
Zimmer ganze Arbeit geleistet hatten. Unser erst vor drei Wochen
erstandener Laptop (man erinnere sich an die erste "Raubepisode" und das
Beschaffungstheater in "Guayaquil"), Cöry's Digicam (zum Glück nur mit
einigen wenigen Bildern vom "Parque Nacional Tortuguero") und Handy,
sowie unsere, bis auf diverse Karten, leeren Portemonnaies waren weg.
Die Einbrecher schienen genau zu wissen, wonach sie suchten, denn
glücklicherweise liessen sie unsere Pässe unbehelligt. Sie hatten sich
ausserdem lediglich unsere kleinen Rucksäcke vorgenommen. Anscheinend
wussten sie ganz genau, dass nur da etwas wertvolles zu finden war.

Erst kam der Verdacht auf, dass die Rezeptionistin etwas mit dem
Verschwinden unserer Sachen zu tun haben könnte, sie war dann allerdings
erstaunlich kooperativ, so dass dieses Verdachtsmoment etwas an Gewicht
verlor. Sie hatte ausserdem von drei Gästen berichtet, die ihr etwas
verdächtig vorgekommen waren, da sie allesamt mit Rucksäcken
ausgestattet das Hotel für's Abendessen verlassen hatten (und natürlich
nicht zurückgekehrt waren). Interessanterweise waren diese Typen der
Grund, warum wir noch beim Einchecken von Zimmer 29 nach Zimmer 25
wechseln mussten.
Der "Zufall" (?) wollte es, dass der chinesische Manager des Hotels
gerade für eine Woche unterwegs und daher abwesend war. Ausserdem hatte
auch unsere Rezeptionistin am nächsten Tag ihren freien Tag... Sie
erlaubte uns allerdings das Video der Überwachungskamera am Eingang des
Hotels anzuschauen. So konnten wir uns ein Bild von den drei
Verdächtigen, die sie erwähnt hatte, machen. Und tatsächlich schien es,
dass einer dieser Typen uns gefolgt war, als wir das Hotel für's
Abendessen verlassen hatten. Sobald wir uns im Restaurant hingesetzt und
bestellt hatten, war er zurückgekehrt und die "Ausräumaktion" war
gestartet worden. Dummerweise war es nicht möglich unseren Zimmereingang
auf den Überwachungskameras zu sehen. Zum Einen war die Kamera
entsprechend schlecht positioniert und zum Anderen hatte die
Rezeptionistin keine Ahnung wie das Programm der Überwachungskameras zu
bedienen sei und konnte uns daher nur die Bilder der Eingangskamera
zeigen. Trotzdem konnten wir uns damit einen groben Ablauf der
Geschehnisse zusammenschustern.
Mit dieser Information machten wir uns auf zum Polizeiposten, um nach
Ecuador bereits zum zweiten Mal eine "Denuncia" aufzugeben. In diesem
Fall wurde die Anzeige etwas seriöser genommen und nach gut einer Stunde
war der vierseitige Bericht abgefasst. Der Polizist versprach noch am
selben Abend seine Kollegen vorbeizuschicken um unser Zimmer zu auf
Spuren zu untersuchen und mit der Rezeptionistin zu sprechen. Mit einem
weiteren Polizeibericht für unsere Versicherung unter dem Arm machten
wir uns also wieder auf den Rückweg zurück zum Hotel.

Gegen Mitternacht, wir waren mittlerweile zu einer Art VIP-Gästen
aufgestiegen, die nicht für ihre Übernachtungen bezahlen müssen (der
Manager schien sich etwas zu genieren, dass sowas in seinem Hotel
passieren konnte), trafen die "Freunde und Helfer" in unserem Hotel ein
und untersuchten den Tatort. Es stellte sich heraus, dass die Einbrecher
die Tür mit einem Schraubenzieher oder Messer aufgehebelt hatten (sehr
einfach, bei der Qualität der costaricanischen Türen und Schlösser). In
ihrem Zimmer fanden die Ermittler zudem eine weggeworfene
Identitätskarte eines der Typen. Laut der ID handelte es sich um
Panamesen (obwohl die Echtheit des Ausweises natürlich bezweifelt werden
darf).
Es ist anzunehmen, dass mit diesem Besuch der Polizei der Fall "Robo en
la habitation 25 del hotel Miami", oder zu Deutsch "Raub im Zimmer 25
des Hotels Miami", ad acta gelegt und in einem Aktenschrank den
Verstaubungstod sterben wird. Aber wenigstens wurde den betroffenen
Touristen der Eindruck gegeben dieser Vorfall würde ernsthaft bearbeitet.
Wir werden sehen, ob wir dazu irgendwann mal irgendwas erfahren werden
(Zweifel sind angebracht)...

Freitag, 2. April 2010

Ein Tag im Nationalpark

Nachdem wir uns einen ganzen Tag mit der Entscheidung für die nächste
Etappe rumgeschlagen hatten, war der Eintagesausflug in den "Parque
Nacional Tortuguero" gebucht. Mit "Jungle Tom Safaris" sollte es am
nächsten Tag um 6:15 Uhr ab in den "Mini-Amazonas" gehen. Die Fahrt in
den Park sollte einige Stunden dauern, gefolgt von einer Boottour durch
die Kanäle des Parks und der wiederum einige Stunden dauernden Rückfahrt
ins Hostel. Also ein ausgewachsener Tagesausflug...

Und eigentlich geschah genau das, nur dass sich das Ganze zu einem 14,5
Stunden dauernden Ausflug auswuchs und daher einige Ausschweife
angebracht sind ;-):
Wie angewiesen standen wir um 6:15 Uhr, pünktlich wie ein Schweizer
Uhrwerk, an der Rezeption des Hostels und warteten auf unseren Tourbus.
"Roberto", der Tourguide, und "Henry", unser Fahrer, erschienen dann
auch eine Viertelstunde später. Leute einsammeln dauert halt seine Zeit.
Die Fahrt von "San José" in den Tortuguero Nationalpark führte zuerst
durch den Nebelwald eines weiteren Nationalparks, dem "Parque National
Braulio Carrillo". Seinem Namen "Nebelwald" wurde dieser auch
entsprechend gerecht, denn wir konnten leider aufgrund des stockdichten
Nebels keinen Ausblick auf den "Volcán Barva" (oder wie der auch gleich
hiess...) geniessen.
Der eigentlich im Flyer für die Tour angekündigte Besuch einer
Kaffee-Plantage entpuppte sich ausserdem als Fahrt durch eben diese. Das
war aber alles nicht so schlimm, denn wir wollten ja grundsätzlich den
Dschungel des "Tortuguero" per Boot erkunden.
"Desayuno" (also das Morgenessen) war in unserem Package eingeschlossen,
darum ging's auch gleich nach Nebelwald und Kaffee-Plantage in
"Roberto's" (laut unserem Tourguide hatte das Restaurant nichts mit ihm
zu tun, aber wer weiss ;-)...), ein Cafeteria-Style Restaurant irgendwo
im Nirgendwo. Hier gab's ein leckeres Frühstück bestehend aus Früchten,
Eiern und dem unvermeidlichen "Gallo Pinto". "Gallo Pinto", was wörtlich
übersetzt soviel wie "gefleckter Hahn" bedeutet, ist eine gebratene
Mischung aus Reis und Bohnen und für Schweizer Frühstücksgewohnheiten
eher etwas speziell. Warum das Ganze allerdings "gefleckter Hahn"
heisst, blieb uns ein Rätsel, spielt aber andererseits auch überhaupt
keine Rolle, denn es schmeckte lecker und versorgte uns mit Energie um
bis zum Mittagessen durchzuhalten.

Um die lange Fahrt in den Nationalpark etwas zu verkürzen, bzw. etwas zu
unterbrechen und unsere schmerzend gesessenen Hintern etwas zu
entlasten, wurde in einer Bananen-Plantage ein Halt eingelegt.
Faszinierend den superflinken Arbeiterinnen und Arbeitern bei der Arbeit
zuzusehen. Blitzschnell wurden hier die, auf einer Art Seilbahn
angelieferten, Bananenbündel in handlichere Büschel, wie wir sie aus dem
Supermarkt kennen, zerteilt und ausserdem anhand der Grösse und Aussehen
sortiert. Die noch grünen "Schlauchäpfel" wurden dann ebenso
blitzschnell in die bekannten Bananenkisten abgepackt und im
"Chiquita"-Lastwagen verstaut. Mittlerweile dürften die an diesem Tag
verpackten Bananen bereits ihre Farbe nach Gelb oder Braun eingetauscht
haben und entweder irgendwo auf der Welt verzehrt oder dem Kompost
zugeführt worden sein.
Wen diese fruchtigen Arbeitsschritte nicht interessierten, konnte
stattdessen einem riesigen Hornkäfer beim Zuckerrohr-Schnabulieren
zusehen (oder sich von diesem auch auf's Hemd pinkeln lassen ;-)...).

In den eineinhalb Stunden, die diesem kurzen "Beine vertreten" folgten,
wurde auch der Hintergrund des "Beine vertretens" klar. Bis zum
Erreichen der Anlegestelle für den Umstieg auf das "Amazonas"-Boot,
wurden wir über eine Schotterpiste bestehend aus "Kieselsteinen" mit der
gefühlten Grösse von "Unspunnensteinen" gequält. Erstaunlicherweise war
nach diesen knapp 90 Minuten Waschbrett sogar der Anhänger noch da, wo
er beim Start der Fahrt angebracht worden war, wer hätte das gedacht...

Unsere durchgeschüttelten Knochen wurden an der Anlegestelle
zusammengepackt und ins wartende Boot verfrachtet. Mit einer gehörigen
Portion Wind in den Haaren ging's anschliessend durch die
"tortuguesischen" Kanäle. Faultiere, Brüllaffen und jede Menge Vögel
hatten sich entlang der Kanäle quasi aufgereiht um von uns abgelichtet
zu werden. "Roberto" hatte seinen Feldstecher ausgepackt und konnte uns
jeweils die schwarzen Punkte in den vorbeiziehenden Bäumen entweder als
Brüllaffe oder Faultier bekannt machen. Eigentlich hatte "Roberto" als
unser Guide seine Sache gar nicht so schlecht gemacht, wir waren
allerdings durch unsere Erfahrungen mit "Luis" auf den Galapagos Inseln
etwas voreingenommen :-)...
Nach dem Mittagessen, nach dem "gefälschten" Hähnchen vom Frühstück
gab's dieses Mal richtiges Hähnchen mit Reis, ging's zusätzlich mit
Kaimanen, riesigen Krokodilen, Spinnen und hochgiftigen Schlangen weiter.
Die Spinnen und Schlangen konnten allerdings erst auf dem kurzen
Spaziergang durch den Dschungel gesichtet werden. "Roberto" wurde
während diesem knapp einstündigen Gänse-Marsch nicht müde seine
Schützlinge auf dem richtigen Pfad zu halten, sprich in der Mitte des
Wegs, denn die Schlangen (also eigentlich diese einzige, die wir zu
Gesicht bekamen) am Wegrand waren äusserst giftig und hätten einem
seiner "Schäfchen" innerhalb weniger Stunden (bei fehlender Behandlung
in einem Spital) das Lebenslicht ausgeblasen. Man wurde zwar irgendwie
den Verdacht nicht ganz los, dass hier ein kleiner Hang zur Übertreibung
seitens des Guides vorhanden war, trotzdem war der Rückweg über den
Strand für alle Seiten eine Erleichterung :-)...

Apropos Rückweg: Die Rückfahrt zog sich etwas in die Länge. Zum Einen
hatte der jetzt voll beladene Anhänger unseres Minibusses keine Lust
mehr sich richtig an der Anhängerkupplung festzuhalten (nein, er sprang
nicht ab, aber "Henry" und "Roberto" hatten von Zeit zu Zeit was daran
rumzubasteln) und zum Anderen hatte sich Petrus einen Spass daraus
gemacht seine Wasserkübel auszuschütten und den zu durchquerenden
Nebelwald im "Parque National Braulio Carrillo" in einen ausgewachsenen
Regenwald zu verwandeln.
Gegen 21:00 Uhr hatten wir dann endlich doch noch unser Hostel erreicht
und ein weiteres Mal herausgefunden, dass eintägige Touren zu weit
entfernten Sehenswürdigkeiten nicht der Weisheit letzter Schluss sein
konnten. Wir hätten uns doch besser für die zweitägige Variante entschieden.

Für den nächsten Tag war die Weiterreise an die Karibikküste vorgesehen.
Wir hatten uns noch nicht so recht festgelegt, in welcher Ortschaft wir
unsere Zelte aufschlagen wollten, aber "Puerto Limón" würden wir auf
jeden Fall durchqueren müssen. Wir konnten ja noch nicht ahnen, was sich
da so alles ereignen sollte...

Samstag, 27. März 2010

Nicoya zum Zweiten: Surfen bis Alarmstufe "Rot"

Die Surfer-Mekkas "Mal País" bzw. "Santa Teresa" sind von "Montezuma"
Luftlinie schätzungsweise gerade mal 15-20 Kilometer entfernt, die Reise
per ÖV liess allerdings auf weit grössere Distanzen schliessen...

Da der kürzeste Landweg aus einer Rüttelpiste der Extraklasse bestand,
die nur mit einem allradgetriebenen Offroadvehikel einigermassen zu
überstehen ist, hatte sich die ortsansässige Busgesellschaft einen
kleinen Umweg über "Cóbano" ausgedacht um ihr Rollmaterial zu schonen
(wobei anhand der in rauen Mengen vorhandenen Schlaglöcher auch auf der
"besseren" Strecke mit einer verkürzten Lebensdauer der Busstossdämpfer
gerechnet werden muss...).
So warteten wir also auf den entsprechenden Bus nach "Cóbano". Die
mitwartenden Berner Touristen, die wir bereits von unserem Ausflug zum
Wasserfall her kannten, zweifelten bereits an einer möglichen Ankunft in
"Santa Teresa" am selben Tag, als geschlagene 20 Minuten nach der
geplanten Abfahrt immer noch kein Bus auf dem Wendeplatz, genannt
Busterminal, aufgetaucht war. Immerhin hatten wir in eben diesem
"Cóbano" den Anschlussbus zu erwischen...
Wir hatten bereits den Verdacht gehegt, dass sich der Fahrer des
ÖV-Busses mit dem ortsansässigen Shuttle-Dienst abgesprochen hatte, da
kurz nachdem der Shuttle einige verzweifelte Touristen für den Weg nach
"Mal País" (der Nachbarort von "Santa Teresa") aufgesammelt hatte, der
ÖV-Bus doch noch den Weg nach "Montezuma" fand.
An der Zwischenstation in "Cóbano" angekommen war dann
erstaunlicherweise auch der Anschlussbus noch nicht abgefahren und wir
konnten unsere Weiterreise relaxt in Angriff nehmen. Nach gut
einstündiger Fahrt bog der Bus in die Küstenstrasse zwischen "Mal País"
und "Santa Teresa" ein. Da aber, wie in Costa Rica bzw. Lateinamerika
üblich, keine Ortstafeln das Erreichen einer bestimmten Ortschaft
ankünden, stellte sich bald einmal die Frage, wo denn nun die Ortsgrenze
von "Mal País" erreicht und "Santa Teresa" beginnen würde oder in
anderen Worten: "Wo zum Teufel mussten wir aussteigen?"
Ganz Herdentier, schlossen wir uns den beiden Bernerinnen an als diese
ausstiegen, denn sie hatten in "Santa Teresa" bereits eine Unterkunft
reserviert und schienen deshalb einigermassen Bescheid zu wissen, wo
sich dieses Kaff befinden sollte.

Wir hatten aufgrund unserer Spontaneität darauf verzichtet eine
Unterkunft zu reservieren, also war erst einmal die Suche nach einer
Bleibe angesagt. Da das bei sengender Hitze mit 20 kg Gepäck am Rücken
eher in einer Schweissorgie enden würde, beschloss unser Reiseteam sich
aufzusplitten. Ein Teil (Teil "Rumsitzen und Eistee trinken") sollte im
nächstgelegenen Restaurant bei eisgekühlten Getränken zum Hab und Gut
Acht geben, während der andere Teil (Teil "Bettsuche") sich in der
brütenden Nachmittagssonne auf Bettensuche begeben sollte.
Ein Hostel namens "Tranquilo Backpackers" in "Santa Teresa" war uns
empfohlen worden, also sollte erstmal dieser Unterschlupf gefunden und
geprüft werden. Dass konnte doch gar nicht so schwierig sein, denn alle
Hostels hatten sich, einer Perlenkette gleich, links und rechts der
Hauptstrasse (bzw. einzigen Strasse) entlang aufgereiht. Also musste
eigentlich nur erst "Santa Teresa" gefunden werden und dann wäre quasi
das Hauptproblem gelöst.
Zwei Stunden und etliche Schweissperlen später war dann auch tatsächlich
besagtes Hostel ausfindig gemacht (keine 50 Meter vom Basislager im
Restaurant entfernt ;-)) und abgecheckt (kein Doppelzimmer mehr frei
:-(). Ausserdem war Reisegruppenteil "Bettsuche" jetzt auch über die
Dimensionen der Ortschaft "Santa Teresa" besser im Bilde :-)...
Mit dem gerufenen Taxi ging's dann im Nu (und klimatisiert) zum während
der Wanderung ebenfalls ausfindig gemachten "Hostel BeachBreak", wo für
die nächsten Tage Stellung bezogen wurde.

Nach der Ankunft im Hostel, wollte erstmal der Strand und die
unmittelbare Umgebung inspiziert werden. Es musste schliesslich
überprüft werden, ob der Titel "Surf-Mekka" zurecht vergeben worden war.
Nachdem zuerst ein Zugang zum Strand gesucht und gefunden werden musste,
bot sich unseren nach Wellen dürstenden Augen ein überaus reizender
Anblick. Auf (geschätzten) mehreren Kilometern Länge erstreckte sich vor
uns der wohl sauberste und perfekteste Strand unserer bisherigen Reise.
Kein Zivilisationsmüll in Form der sonst allgegenwärtigen PET-Flaschen
und erstaunlicherweise auch kaum Blätter, Äste oder sonstige Naturalien
"verunstalteten" das Bild des perfekten Strandes. Hinzu kamen die
ersehnten Wellenberge, die von jeder Menge Surfer-Dudes (braun
gebrannte, perfekt durchtrainierte Jungs) bzw. Surfer-Babes (dasselbe
nur in weiblicher Form) ihrem eigentlichen Zweck, dem Surfen, zugeführt
wurden. "Surf-Mekka"!!

Gleich am nächsten Tag musste natürlich die in "San José" neu erstandene
Badebekleidung gesattelt und beim nächsten Surf-Shop ein passendes
fiberglasummanteltes Stück Styropor organisiert werden. Für gerade mal
10 Dollar konnte man sich für 24 Stunden ein Wellenreit-Werkzeug
ausleihen. Also zehn "Bucks" und den Pass als Depot auf den Tisch
geknallt und mit einer über zwei Meter langen "Schwimmhilfe" Richtung
Strand abgezockelt. An unserem Traumstrand der Abmessung "Enorm", war
für jeden Typ Surfer etwas zu finden. Die surftechnisch etwas
versierteren Gesellen hatten's sich etwas weiter draussen in den
grösseren Brechern auf ihren Brettern gemütlich gemacht, während wir
Weisswasserratten in Ufernähe durch die "Waschmaschine" gespült wurden.
Wir hatten den Weg zum Strand erst am Nachmittag gefunden und wurden
daher bereits nach wenigen Stunden durch die untergehende Sonne in
unserem Bewegungsdrang gebremst. Auch gut, denn unsere untrainierten
Ärmchen waren zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Überbeanspruchung bereits
etwas lahm. Die verbleibenden Materialmietstunden konnten wir auch am
nächsten Tag einsetzen.

In weiser Voraussicht hatten wir uns nach einigem Suchen in einem Laden
Sonnencreme vom Typ "extreme waterresistant" zugelegt. Wie bei
Sonnenschutz dieser Ausprägung üblich, erkauft sich die extreme
Wasserfestigkeit durch mangelnde Verstreichbarkeit. Speziell
wohlbehaarte Männerbeine benötigen für das Auftragen der Schutzschicht
etwas mehr Zeit und Aufwand. Mal ganz abgesehen vom Haartransfer vom
Bein an die Hand (igitt, igitt)...
Auf jeden Fall hatten wir uns die entsprechenden Turnübungen, um auch
die letzte Ecke Haut mit Lichtschutzfaktor 45 zu versorgen, nicht
gespart und waren dementsprechend bereit den Wellen das Fürchten zu
lehren (dieses Mal auch zu etwas früherer Stunde :-)).
Das taten wir dann auch ausgiebig. Obwohl wir zugeben müssen, dass es
auch wir das eine oder andere Mal mit der Furcht zu tun bekamen, wenn
wiedermal die Unterscheidung zwischen Unten und Oben aufgrund akuter
Orientierungslosigkeit in Neptun's Wäschetrommel etwas schwer fiel ;-).
Irgendwann waren dann sowohl unser Energievorrat als auch die Mietdauer
unserer Ausrüstung aufgebraucht und somit die Zeit für den Rückzug
gekommen. Dass dies keinen Moment zu früh geschah, stellte sich etwas
später beim ersten Kontrollblick unter neutralem Zimmerlicht heraus.
Trotz "extreme waterresistant" und mehreren Auffrischungsölungen hatten
sich Arme, Beine und Gesicht leicht in Richtung "rot" verfärbt. Das
hatte auch ambitioniertes Vorbräunen in verschiedensten Ländern und in
verschiedenen Höhenlagen nicht verhindern können. Vielleicht sollten wir
uns für das nächste Mal trotz 26 Grad Wassertemperatur den Einsatz eines
Ganzkörperneoprenanzugs mit Haube und Mundschutz überlegen oder im
Supermarkt zur Sonnencreme-Flasche mit Lichtschutzfaktor 100 greifen ;-)...

Auf jeden Fall machte "Alarmstufe Rot" das Einschalten eines
Schattentages nötig, was bei beinahe perfekten Bedingungen, Sonnenschein
und blauem Himmel, mitunter etwas schwer fallen kann. Glücklicherweise
kann man sich in solchen Fällen im airconditionierten Zimmer mit Laptop
(genau, Blog-Einträge wollen auch irgendwann verfasst werden) oder einem
guten Buch vor den bösen UV-Strahlen verstecken. In ersterem Fall hat
dann sogar die weitere Umgebung auch noch etwas davon ;-)...

Schweren Herzens entschieden wir uns nach einigen Tagen diesem
Surfer-Paradies den Rücken (möglicherweise nicht für immer, denn man
könnte ja in nicht allzu ferner Zukunft mal nur zum Surfen nach Costa
Rica rüberjetten :-)) zu kehren. Wie werden wir das Frühstück auf dem
Balkon unseres Zimmers im "Hostel BeachBreak" vermissen. Fasziniert
hatten wir die abenteuerlichsten Surfboard-Transportvarianten studiert.
Da wurden die massgeschneiderten Haltevorrichtungen an Fahr- und
Motorrädern eindeutig von den Varianten ohne technische Hilfsmittel
übertrumpft. Unser Favorit waren die Quad-Bikes (für Motorradbanausen:
vierrädrige Motorräder ;-)) beladen mit zwei Typen und zwei
Surfbrettern, wobei jeder der beiden sein Brett zwischen Oberschenkel
und Oberarmen einklemmt, so dass links und rechts vom Motorrad gut ein
Meter Surfbrett übersteht. Im Schweizer Strassenverkehr würde man
nullkommaplötzlich von der Polizei einkassiert, für verrückt erklärt und
zur Heilung in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen.
Die Rückreise nach "San José" gestaltete sich etwas einfacher als die
Anreise, wobei allerdings der Unterschied lediglich darin bestand, dass
der Bus vor und nach der Fährfahrt derselbe war, da er sich mit uns
auf's Schiff quetschte.
Im bereits bekannten "Hostel Pangea" in "San José" hatten wir uns dieses
Mal nicht die "Honeymoon Suite" gegönnt, mussten aber feststellen, dass
die geringen Mehrausgaben durchaus auch einem Mehrwert entsprachen und
somit die Reisekassenstrapazierung gerechtfertigt gewesen wäre.

Da sich die Auswahl unseres nächsten Programmpunktes aufgrund unserer
akuten Unentschlossenheit und der bereits etwas fortgeschrittenen Zeit
als etwas kompliziert herausstellte, kamen wir zum Schluss nichts zu
überstürzen und weitere drei Nächte in "San José's" Superjugi zu
verbringen.
Apropos nächster Programmpunkt: dazu mehr im nächsten Eintrag...

Donnerstag, 25. März 2010

Nicoya zum Ersten: Montezuma und Cabo Blanco

Wir hatten uns "Montezuma" als ersten Stopp auf der Nicoya-Halbinsel
ausgesucht. Dies allerdings nicht wegen allfälligen Riesenwellen,
sondern weil sich das "Reserva Natural Absoluta Cabo Blanco" nur wenige
Busminuten entfernt befindet.

Eine Halbinsel hat ja bekanntlich auf beinahe allen Seiten Wasser und
ist meistens nur durch einen schmalen Streifen mit dem Festland
verbunden. Das sollte auch bei der Nicoya-Halbinsel nicht anders sein
und stellt den besuchswilligen Touristen vor die Frage der zu wählenden
Route. Die Landroute bis nach "Montazuma" hätte uns beinahe Tage an
Sitzfleischtraining eingebrockt, da war die logistisch etwas
aufwändigere Variante via "Puntarenas" per Fähre auf die Halbinsel zu
gelangen, doch einiges verlockender und zudem laut LP landschaftlich
einiges einladender.

In "San José" bestiegen wir also morgens (ja, 11 Uhr gilt noch als
Morgen :-)) ein Taxi, das uns für einige hundert bis tausend Colones bis
zum Busterminal brachte. Flugs ein Ticket nach "Puntarenas" erstanden
(während neben uns ein Security-Typ sein Morgenessen halb verdaut in
einen Abfallkübel spedierte, urgs...) und im Warteraum Platz genommen.
Wir, als routinierte Traveler, hatten uns Sitzplätze ausgesucht wo wir
unsere Rucksäcke jederzeit im Blick hatten und wo keiner was unbemerkt
rausklauben konnte. Ausserdem waren wir so auch niemandem im Weg, also
der perfekte Warteplatz. Dumm nur, dass wir, kaum hatten wir uns
hingesetzt, vom Platzanweiser angewiesen wurden in der Warteschlange
aufzuschliessen. Aha, und wir hatten uns schon gewundert, ob die Leute
hier in "San José" mehr Nähe brauchten als anderswo, weil sie so nah
beieinander sassen...
Nach gut zweieinhalb Stunden wurden wir in "Puntarenas" am Busterminal
auf die Strasse gestellt. Wir hatten uns darauf eingestellt unser Gepäck
die (laut LP) knapp eineinhalb Kilometer bis zum Fährterminal zu buckeln
und machten uns dementsprechend auf den Weg. Die ersten "Taxiandreher"
schüttelten wir mit einem Lächeln gekonnt ab und liessen unsere
Schweissporen auf Stufe "Maximum" transpirieren. Irgendwann schien die
kritische Gepäckbuckel-Schwelle überschritten zu sein (oder war's die
Bemerkung, dass die Distanz zum Fährterminal ganze 3,5 anstatt der
angegebenen 1,5 km betragen sollte?) und wir liessen uns in einem roten
Gefährt vom Typ "Taxi" die letzten drei Kilometer chauffieren. Beinahe
unnötig zu sagen, dass wir unter Zuhilfenahme einer (Not)Lüge dazu
überzeugt werden mussten. Laut dem "Taxivermittler" würde die nächste
Fähre in wenigen Minuten abfahren und zu Fuss würde das auf keinen Fall
reichen. Ausserdem schien die nachfolgende Fähre auszufallen, was uns
quasi verunmöglichen würde noch am selben Tag in "Montezuma"
einzutreffen. Als Fazit: Die Distanz wäre tatsächlich zu gross gewesen,
aber die drei Uhr Fähre war weder kaputt noch sonstwie ausgefallen. Und
wir hatten dem Typ sogar noch ein Trinkgeld spendiert, ha...
Wir hatten also das ortsansässige Taxibusiness noch etwas unterstützt,
rechtzeitig ein Ticket für die Fähre gekauft und sassen im, auf
Blasenentzündungs-freundliche Temperatur runtergekühlten "Main-Salon"
der Fähre. Über die Temperatur dürfen wir uns zwar eigentlich nicht
beklagen, war immer noch besser als draussen im Sitzen Schweissränder
auf unseren T-Shirts zu produzieren.
Die Fahrt durch die malerische Umgebung des "Golfo de Nicoya" war
bereits nach einer Stunde vorüber und der Zeitpunkt gekommen um das
Schiff zu verlassen.
Am Hafen von "Paquera" wartete natürlich schon der Bus um die
ausgestiegenen Passagiere für die Fahrt nach "Montezuma" zu übernehmen.
Da aber die Anzahl an Sitzplätzen im Bus nicht ganz mit jener der Fähre
korrespondierte, war für die (wieder mal) langsamen Berner dritte
Klasse, besser bekannt als Stehplatz, angesagt. Bei einer 2,5-stündigen
Fahrt nicht gerade eine schöne Aussicht... Glücklicherweise wollten
nicht alle der ursprünglich eingestiegenenPassagiere bis zur Endstation
dabei bleiben, so wurden nach kurzer Zeit einige Plätze frei und die
Reise nur zur Schweissprobe anstatt auch noch als Stehprobe zu enden.

Wie nicht anders zu erwarten, wurden wir, kaum in "Montezuma"
angekommen, auch gleich von einem Typen wegen einer Unterkunft
angeschwatzt. Seine Cabiñas lagen mindestens einen Kilometer ausserhalb
des Dorfes am Berg. Da er uns aber versprach jederzeit als
Gratis-Taxidienst zur Verfügung zu stehen um uns ins Dorf zu
kutschieren, liessen wir uns auf die Sache ein und nahmen unser Häuschen
der "Cabiñas Colibri" in Beschlag. Es sollte sich herausstellen, dass
"Michael", wer hätte das gedacht, zu seinem Wort stehen sollte und uns
tatsächlich jeden Tag ins Dorf runter und auch wieder hinauf in unsere
Unterkunft brachte.

Das "Colibri-Package" kam mit einem Gratisausflug zum nahe gelegenen
Wasserfall. Das Aussie-Päärchen, das sich ebenfalls eine Cabiña
ergattert hatte, war des Lobes voll über diesen "amazing", zu Deutsch
"unglaublichen", Wasserfall, also musste das natürlich mit eigenen Augen
auscheckt werden. Für uns Iguazuverwöhnte wirkte der Anblick dieses, aus
drei Stufen bestehenden Wasserfalls nicht gerade superlativgenerierend,
was allerdings auch daran gelegen haben könnte, dass wir für die
10-Meter-Mutprobe, bestehend aus dem Sprung über die zweite
Wasserfallstufe, einfach zu wenig "Füdle" (auch bekannt als Mut)
aufbringen konnten. Trotzdem war der Ausflug lohnenswert, denn im "Pool"
des Wasserfalls war's temperaturmässig einiges erträglicher als anderswo
rund um "Montezuma". Dieser Temperaturunterschied kann aber durchaus
auch dazu führen, dass der Sonneneinstrahlung zu wenig Beachtung
geschenkt wird, was dann wiederum in einer rötlichen Verfärbung
bestimmter Körperoberflächen enden kann (ja, man kann sich auch im
"Schatten" verbrennen)...

Das "Reserva Natural Absoluta Cabo Blanco" mit seiner Mischung aus
Trocken- und Feuchtwald (im einen verlieren die Bäume ihre Blätter und
im anderen bleiben sie grün, ihr dürft raten in welchem was der Fall ist
;-)) war eigentlich der Hauptgrund für unsere Visite in "Montezuma".
Damit die Flora und Fauna in diesem "Garten Eden" nicht aus
Überarbeitung an einem Burn-Out abstirbt, bleibt der Nationalpark Montag
und Dienstag geschlossen (da wär man auch gleich gerne "Wald", mit der
Aussicht auf eine 5-Tage-Woche und dann während den Arbeitstagen einfach
nur so rumstehen :-)). Glücklicherweise hatten wir unseren Besuch
dahingehend getimed, dass wir am Mittwoch zu unserem Dschungel-Abenteuer
aufbrechen konnten.
Nach der kurzen, aber holprigen Busfahrt und einem ebenfalls kurzen
Spaziergang wurden wir quasi auf schweizerdeutsch in Empfang genommen.
Die "Parkplatzanweiserin" (ja klar, wir hatten kein Auto, konnten aber
trotzdem den Eingang zum Park nicht finden :-)) entpuppte sich als
Volontärin mit Herkunft Aargau. Mit Tipps und Tricks zum Thema "Cabo
Blanco" konnte sie uns allerdings nicht weiterhelfen, da es ihr erster
Tag im Park war und sie diesen noch nicht von innen gesehen hatte. Wir
versprachen ihr einen Bericht abzuliefern, sobald wir zurück wären.

Ähnlich einer Geisterbahn, wartete am Eingang zum Park bereits ein
gruseliger Spalier aus riesigen Spinnenviechern. Die gelb-schwarz
gestreiften Dinger hatten ihre Netze links und rechts vom Weg
aufgespannt und dadurch bereits für einen ersten Anflug von Ekel
gesorgt. Wie würde das wohl weitergehen?
In der Folge kamen wir während unserer Wanderung über den "Swedish" bzw
"Danish" Trail auch in den Genuss von Kapuzineraffen und Fledermäusen.
Die Brüllaffen sollten wir vorerst nur akustisch wahrnehmen. Anhand
ihres ohrenbetäubenden Gebrülls, musste man aber davon ausgehen, dass es
sich um riesige Viecher handeln musste...
Der weisse Strand, der dem Nationalpark seinen Namen "Cabo Blanco"
(Weisses Kap) gibt war dann übersät von Dutzenden Einsiedlerkrebsen,
quasi den "Wicked-Campern" der Meere, in jeder erdenklichen Grösse. Die
im Wasser rumdümpelnden Pelikane kannten wir bereits von den Galapagos
Inseln, waren also weniger interessant (wie schnell man doch abstumpft...).
Bereits bei der Wanderung an den Strand sollte sich zeigen, dass 36°
Celsius im Schatten kübelweise Schweissperlen fordern sollten. Sich dann
im weissen Sand räkelnd, startete die Transpiration bereits den
"Turbo-Booster", wenn man nur schon an den bevorstehenden zweistündigen
Rückmarsch, bergauf notabene, dachte! Glücklicherweise hatte die
Parkleitung daran gedacht eine Wasserflaschenauffüllstation in Form
eines Wasserhahns mit Trinkwasser bereitzustellen, sonst wäre der
Rückweg bestimmt mit ausgetrockneten Leichen von
"Daran-habe-ich-nicht-gedacht-Touristen" übersät gewesen
(einschliesslich uns natürlich ;-)).
Zurück am Parkeingang wurde dann auch das Geheimnis der Brüllaffen
gelüftet. Wir waren allerdings etwas überrascht, man könnte vielleicht
sogar sagen etwas enttäuscht, als sich der Urheber des
furchteinflössenden Gebrülls als Äffchen in der ungefähren Grösse einer
Hauskatze entpuppte. Welch ein Angeber!

Laut LP sei "charming", oder zu Deutsch "bezaubernd", der falsche
Ausdruck um "Montezuma" zu beschreiben. Obwohl sehr touristisch fanden
wir das Dörflein durchaus nett und hätten problemlos auch noch einige
Tage länger bleiben können. Da aber, wie bereits zu einem früheren
Zeitpunkt erwähnt, die neu erstandene Surfbekleidung getestet werden
wollte, zog es uns weiter ins Surfmekka mit dem Namen "Santa Teresa"...

Mittwoch, 17. März 2010

Rückflugticket oder Ausschaffung?

Da sassen wir also mit zittrigen Knien im COPA-Airlines Flieger, nachdem
wir die 27 Dollar 75 Cents Ausreisegebühr pro Person am "Banco de
Guayaquil"-Schalter abgedrückt hatten (wow, hier muss man sogar für's
Ausreisen in die Tasche greifen!?). Würden wir als
"Ausschaffungshäftlinge" enden oder einfach unbemerkt durchs
Kontrollnetz an der Grenze schlüpfen? Das Wettbüro war geöffnet und hohe
Einsätze waren im Spiel (z.B. zwei Flugtickets nach Barbados...).

Die erste Etappe sollte uns in gut zwei Stunden von "Guayaquil" nach
"Panamá City" bringen. Eine Stunde Umsteigezeit später würde dann der
spannende Teil der Reise beginnen, indem uns ein weiterer COPA-Flieger
in etwas mehr als einer Stunde an unseren Zielort "San José" in Costa
Rica bringen sollte. Die ganze Fliegerei funktionierte auch tatsächlich
ohne Zwischenfälle und etwas nach sieben Uhr Abends hatten wir
costaricanischen Boden unter unseren Füssen. Die Frage war nur noch:
Würden wir auch der Passkontrolle standhalten oder schlussendlich wie
Tom Hanks in "Terminal" als Terminalzigeuner enden?

Die modernen Passkontrollkabäuschen, im Stil US-amerikanischer
Flughäfen, schienen nichts Gutes zu verheissen. Die Schlange an
nordamerikanischen Touristen im Rentenalter, die sich interessanterweise
vor uns aus dem Flieger "geschlichen" hatten (Berner sind halt doch
etwas langsam ;-)...), wurde immer kürzer und der Moment der Wahrheit
kam daher immer näher.
Schlussendlich wurden wir an einen der Schalter heranzitiert und nach
unseren Pässen gefragt. Den obligaten Einreisezettel mit allerlei
Angaben zu Name, Vorname, Geburtsdatum, usw. (Kenner Schweizer Pässe
werden sich zurecht am Kopf kratzen und monieren, dass alle diese
Angaben auch maschinenlesbar im Pass stehen würden :-)) hatten wir
bereits im Flugzeug vollgekritzelt und als mitdenkende
Grenzübergang-Veteranen vorsorglich in den Pass gelegt. Der überaus
nette Grenzbeamte kontrollierte unsere Papiere, verpasste uns den
benötigten Einreisestempel und entliess uns mit einem freundlichen
"Buenas Noches" in sein wohlbehütetes, zentralamerikanisches Land. Der
Begriff "Rückreiseticket" war nichtmal ansatzweise über seine Lippen
gekrochen. All die in schlaflosen Nächten einstudierten, ins Spanische
übersetzten Erklärungsversuche, die zitternden Knie und das
stressbedingt übermässig ausgeschüttete Adrenalin waren also für die
Katz, weil absolut unnötig gewesen!
Am Gepäckband hatten unsere Rucksäcke wohl bereits einen Anflug von
Drehwurm, denn die Warterei an der Grenzkontrolle hatte doch einige
Minuten in Anspruch genommen und unseren tragbaren Wohnzimmern einige
Umgänge beschehrt. Immerhin hatte es unser Gepäck mit uns bis nach Costa
Rica geschafft, was bei einer Umsteigezeit von nur knapp einer Stunde in
"Panamá City" keineswegs als Selbstverständlichkeit angenommen werden
darf...

Costa Rica wird gemeinhin auch als "Schweiz Zentralamerikas" bezeichnet.
Dass dies nicht von ungefähr kommt, durften wir spätestens an der
Taxistation erfahren. Die Fahrt ins Zentrum der Stadt sollte
unglaubliche 25 Dollar kosten! Da sich die Sonne bereits vom Himmel
verabschiedet und der Dämmerung Platz gemacht hatte und "San José" nicht
unbedingt mit dem Attribut "sicher" gesegnet ist, mussten wir wohl oder
übel in den sauren Apfel beissen. Am Touristenschalter vor der
(inaktiven) Gepäckkontrolle am Ausgang des Flughafens, hatten wir uns
ein Zimmer im "Hostel Pangea" organisiert. Auch die Preisangabe der
Unterkunft liess uns etwas leer schlucken und mit wässrigen Augen an die
Zeiten in Bolivien zurückdenken, aber schlussendlich war um diese
Uhrzeit ein sicherer Liegeplatz prioritär zu behandeln. Mit den
finanziellen Schäden konnten wir uns auch am nachfolgenden Tag noch
beschäftigen :-).
Bei der Ankunft im Hostel sollte sich schnell herausstellen, warum wir
52 $ aus unserem Reisekässeli ins Hostelkässeli transferieren sollten.
Wir hatten unwissentlich telefonisch die "Honeymoon Suite" gebucht (zu
unserer Verteidigung: es war auch kein anderes Doppelzimmer mehr frei).
King-size Bett, HD-Flachbildschirm mit Satelliten-TV und eine vom Bett
aus einsehbare Dusche (oha ;-)...) kosten verständlicherweise etwas
Extra und immerhin hatten wir uns nicht die "Presidential Suite" für
sagenhafte 65 $ aufschwatzen lassen...

Das "nette" Zimmer und das auch sonst überaus coole Hostel trugen dazu
bei, dass wir nicht bereits nach einer Nacht in Costa Rica's Hauptstadt
wieder das Weite suchten. Zwar hatte die Stadt selber ausser einer
verlockenden Einkaufsstrasse (beinahe Surfshop an Surfshop...) und ihrem
zweifelhaften Ruf bezüglich nächtlicher Sicherheit wenig zu bieten, aber
dank gratis Internet, Pool, Bar und Restaurant mit Aussicht über die
"Skyline" der Stadt gleich in unserem Hostel, konnten wir uns hier
trotzdem einige Tage um die Ohren schlagen. Abgesehen davon hatten wir
sowieso noch absolut keine Ahnung, was denn in Costa Rica für
Sehenswürdigkeiten auf uns warten würden. Alleine die schiere Anzahl an
Nationalparks mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt machte
unsere Routenplanung nicht eben einfacher.
Nach dem Motto "Stick to the highlights" oder auf Deutsch "Nur das Beste
ist gut genug" hielten wir uns vorerst an die Top-5 aus unserem
Reiseführer. Nachdem wir uns schweren Herzens von unserem, trotz seiner
kleinen Mängel und Unzulänglichkeiten, lieb gewonnenen "Lonely Planet
Südamerika" getrennt hatten durfte sich der jungfräuliche "Lonely
Planet: Central America" das erste Mal beweisen.
Die Surfshops der Einkaufsstrasse "San José's" hatten bei der Definition
des ersten Stopps auf costaricanischem Boden kräftigen Einfluss. Kein
Wunder also, dass unser erster Abstecher die Strände der
Nicoya-Halbinsel zum Ziel hatte, denn die gerade frisch erstandenen
Board-Shorts sollten so schnell wie möglich ihrem eigentlichen Zweck
zugeführt werden...